Sonntag, 23. April 2017

Hannah Arendt contra Wladimir Putin

Es ist wohl unserer Primatennatur geschuldet, dass große Gefühle so oft mit dem Triumph über Feinde verbunden sind. Die Ilias ist ein Heldengesang, wo mit höchstem Aufwand an dichterischer Inspiration die blutigsten Siege gefeiert werden. Kein Wunder also, dass der neue russische Zar seine Landsleute seinerseits auf die uralten Gefühle einschwört. Immer öfter hört man aus seinem Mund, wie heldenhaft das russische Volk sich gegen den Faschismus gewehrt und ihn schließlich überwunden habe. Endlose Paraden, endlose Beschwörungen. Man sieht es den Gesichtern der jungen Soldaten und steinalten Veteranen an, wie ihnen die Gänsehaut kommt, wenn sie an die glorreichen Tage denken...

Samstag, 15. April 2017

Trump – die transatlantische Ego-Trompete

Was passiert mit einem Land, wo einige der besten Universitäten beheimatet sind, einige der intelligentesten Bücher über Soziologie, Politik, Wirtschaft entstehen, anders gesagt, wo nicht wenige der weltbesten Intellektuellen zu Hause sind - was passiert, wenn dort ein Mann an die Spitze gelangt, der eher als Inkarnation aus einem Comic-Heft erscheint, sozusagen als Avatar von Dagobert Duck, freilich mit einem noch weit aufgeblasenerem Ich - ein Mann, der absolut keine Gelegenheit versäumt, die eigene Unwissenheit vor aller Welt zu demonstrieren, zum Beispiel wenn er wie ein wiedergeborener Obelix die angeblich in der Klimafrage irregeleiteten Wissenschaftler aller Welt in die Schranken weist: Die spinnen!

Donnerstag, 30. März 2017

Auf der Suche nach dem verlorenen Feind

Unter Philosophen ist es üblich, in der pluralistischen Gesellschaft so etwas wie den End- und Zielpunkt moderner sozial-politscher Entwicklung zu sehen. Diesen Standpunkt vertritt eine Wiener Philosophin namens Isolde Charim mit viel Beredsamkeit. Ihr zufolge sei es ein natürlicher und wünschbarer Prozess, dass sich Identitäten auffächern, verschmelzen und ins Amorphe auflösen, so dass jeder Mensch sozusagen in verschiedenen Spielfiguren auf der sozialen Bühne erscheint. Die ganze Buntheit der Welt darf und soll sich in jedem einzelnen Individuum spiegeln.

Montag, 13. März 2017

Unsere Werte – ihre Werte. Plädoyer für eine gerechte und wehrhafte Demokratie

Der türkische Ministerpräsident, Recep Tayyip Erdogan, ist im Begriff, die Demokratie seines Landes in ein neues Sultanat umzuwandeln. Seitdem die Wirtschaft sich weniger gut entwickelt, kann der gewissenlose Populist und schrille Demagoge sich der Bestätigung durch eine Mehrheit allerdings nicht länger sicher sein, war es doch vor allem der ökonomische Aufschwung, der ihm in den ersten Jahren seiner Amtstätigkeit so großen Zuspruch verschaffte. Erdogan ist daher bemüht, seine nach Europa ausgewanderten Landsleute zu mobilisieren. Anders gesagt, nimmt er für sich das Recht in Anspruch, in Demokratien außerhalb seines Machtbereichs, für eine antidemokratische Wende zu werben.

Montag, 27. Februar 2017

Der Sinn, die Technik und warum die Zeit der „Führer“ zurückkommt

Im Zusammenleben der Nationen wird Stärke durch zwei Vorzüge bestimmt, die man – je nachdem - auch als Waffen bezeichnen kann: durch Technik einerseits, durch Sinn auf der andere Seite, beide von gleicher Wirkmächtigkeit.

Sonntag, 12. Februar 2017

Prof. Dr. Joseph Hubers Vollgeldtheorie – gebaut auf Sand und schlechtem Denken

Wissenschaftliche Arbeiten lassen eine Beurteilung nach verschiedenen Kriterien zu, von denen ich die folgenden für wesentlich halte:

1. Sprachliche Kompetenz
2. Sachliche Kompetenz im Hinblick auf vorhandenes Wissen
3. Pädagogische Kompetenz bei der Vermittlung des eigenen Standpunktes
4. Sachliche Kompetenz im Hinblick auf den Wahrheitsgehalt der Theorie

Ich möchte meine Beurteilung des wissenschaftlichen Hauptwerks von Prof. Huber von vornherein so anlegen, dass ich sie mit dem wissenschaftlichen Hauptwerk von Helmut Creutz vergleiche, der über dasselbe Thema, die Geldtheorie, sein bekanntes Werk „Das Geldsyndrom“ verfasste. Dieser Vergleich scheint mir in mehrfacher Hinsicht erhellend.

Montag, 6. Februar 2017

Deutsche Unduldsamkeit und die Erlösung durch die Musik


Einmal haben sie auf dem Globus als die ersten gezählt – deutsche Denker und Wissenschaftler. Noch nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Hälfte aller wissenschaftlichen Veröffentlichungen in ihrer Sprache geschrieben. Der deutsche Professor wurde weltweit bewundert – aber nein, nicht nur bewundert, immer ist er auch leise belächelt worden. Man argwöhnte, dass ihm bei aller Gelehrsamkeit doch etwas fehle, Lebensart und Lebensgenuss zum Beispiel. Sein Wissen, das war sein Ego; sein Lebenssinn, das waren die Bücher – vor allem natürlich die aus der eigenen Feder. Der deutsche Professor schien aus seinem jeweiligen Fachgebiet eine Art von Religionsersatz zu machen, weshalb denn auch der akademische Titel so überaus wichtig war: Er machte ihn überhaupt erst zu einem vollwertigen Menschen. In China nahmen die ersten Kaiser bei ihrem Tod die Konkubinen ins Jenseits hinüber, in Deutschland wird der Titel nach oben mitgenommen – selten lässt man diesen Schmuck auf den Grabsteinen aus. Der Herr Professor war und ist überzeugt, dass man ihm auch da oben den gebührenden Respekt nicht verweigern wird.